20091230

My own personal Heroes Of The Zeros

It's the end of a decade. Yes, I know the nerd in the third row would like to note that the decade actually ends next year. Anyway. As all the others publish lists, rankings and get multiple orgasms benchmarking, I wanna be part of that. So here come some non-comprehensive personal lists of some of the most "important" things of my last years. Enjoy!


Please note that I read more than that. Thank you.





All images created through wordle.net

Let's see what comes next...



Oh, and what I hated about the last decade and what was completely unnecessary is obvious: Neoliberalism.

20091221

The Impossibility of true Creativity

Can someone please tell me how to produce or say anything new and/or original in a world with approx. 6.5 billion fellow human beings? Not to mention the long since deceased who confront us with our dullness even more because they viciously carved stuff in stone, painted things on canvas or wrote thoughts on paper so that we never forget that they came first (scientists estimate that until today 100 to 200 billion Homo Sapiens Sapiens had to struggle with this less than suboptimal existence we call life). Thus every thought has been thought already, so why [a] think at all and [b] even bother to show off with that? You could easily exchange thinking with reading and not even notice as long as the appropriate text is at hand (which is far from impossible in times of Google Books©™, laptops, iPhones©™, and all the crapy rest).

The one thing to blame for all this discontent is again my most favourite scapegoat: our lovely zeitgeist called Neoliberalism. It condemned us to truly “become ourselves”, to be a total individual (always!), to re-invent ourselves over and over.* In times of the atomic individual the worst you could do is being ordinary, predictable, similar to so many. But how can this ever be avoided when reflecting the above mentioned?! Is the individual existence negated when it resembles millions of other human lives? Do you waste your life if you do the same job for 40 years and never move?


* To be fair, Jean-Paul Sartre and Simone de Beauvoir are prime suspects in this case as well but in order to elaborate this I would have to read – and I can’t be bothered with that. Sorry, too lazy for Existentialism™. I visited their grave though (yes, I’ve f**** been to Paris!), that must be enough. Sorry for this ADD-related footnote.

Über die Unmöglichkeit wahrer Kreativität

Kann mir mal einer sagen, wie man in einer Welt von geschätzten 6,5 Milliarden Mitmenschen noch etwas Neues sagen soll? Ganz zu schweigen von den unzähligen Verstorbenen, die uns unsere Unoriginalität noch stärker vor Augen führen, in dem sie netter Weise irgendwas in Stein gehauen oder niedergeschrieben haben (wissenschaftliche Theorien gehen davon aus, dass sich bis heute 100 bis 200 Milliarden Homo Sapiens Sapiens mit dieser mehr als suboptimalen Existenz rumgeplagt haben). Jeder Gedanke war also ohnehin schon mal da, warum dann [a] überhaupt denken und [b] das ganze dann auch noch zur Schau stellen? Man könnte Denken einfach mit Lesen ersetzen und würde es nicht mal merken, solange man immer einen passenden Text zur Hand hätte (was durch Google Books und Notebook nicht mal unmöglich wäre).


Mein Sündenbock für diesen Frust ist mal wieder der nette Zeitgeist mit Namen Neoliberalismus, der uns dazu verdonnert uns „selbst zu verwirklichen“, immer ganz Individuum zu sein, nie ganz gleich zu sein. Ist die eigene Existenz negiert wenn man so ist wie Millionen anderer Menschen? Hat man sein Leben vergeudet wenn man 40 Jahre dem gleichen Beruf nachgeht und nie übersiedelt?

20091214

Fucking concept of „cool“. oder: Das Ständige Coole Tribunal


Was zur Hölle meint man eigentlich, wenn man etwas “cool” findet? Jeder verwendet das Wort, jeder scheint zu wissen, was es anzeigt. Signifikant kennt jeder, Signifikat hat noch niemand gesehen, Referent ist sowieso seit Jahren tot. Ich will hier aber keine pseudo-linguistische Abhandlung schreiben (pseudo-linguistisch weil ich verdammt noch mal keine Ahnung von „genre“ „narrativ“ „style“ „lexus“ „syntax“ undwasweißich habe, und ehrlich gesagt auch gar nicht haben möchte. Linguistik sucks. punkt).

Worum es mir viel eher geht, ist dieses ewige Bestreben „cool“ zu sein. Ein Unterfangen, dass jeden reflektierenden Menschen vor ein unweigerliches Dilemma stellt: tue ich bewusst etwas um „cool“ zu sein, macht mich das vor mir schon wieder so lächerlich, dass ich extrem „uncool“ bin – und leide (durch schämen). „Echte Coolness“ (was zur Hölle das auch immer ist) kommt also von „innen“ (wo zur Hölle das auch immer ist). Aber woher weiss man das? Wie erkennt man das? Sind die „coolen“ Menschen nur Poser, die sich des künstlichen Charakters ihrer „Coolheit“ bewusst sind, ihren Stolz geschluckt haben und fröhlich und bewusst drauf los posen? Oder sind sie zu dumm, um ihre eingenen Motive zu durchschauen? In beiden Fällen wären sie extrem „uncool“. Und trotzdem: es gibt ohne Zweifel verdammt „coole“ Menschen. Und ich gehöre so was von ganz eindeutig nicht dazu: ich schlafe gerne und viel, töte Zeit mit …[was ist das Verb für das Betrachten von Serien und Filmen am Laptop die auch über diesen heruntergeladen worden sind? „Fernsehen“ ist es ja nicht wirklich], lebe in einem verregneten Nest im Norden Englands, war noch nie in Berlin (und habe auch nicht vor dort hin zu fahren, verdammt nochmal), ich gehe zu H&M, ich gehe nie alleine in eine Bar, ich vermeide sozialen Konflikt, bin angepasst. Ich bin fm4-grünwähler-akademiker-mainstream. Kein Binnen-I weil (labile) männliche Identität. Ich habe also noch nicht mal meine Geschlechtsidentität dekonstruiert.

Aber zurück zu dem gewollten „cool sein“ bei gleichzeitiger Unmöglichkeit genau jenes Konzept näher zu definieren. Ich stelle aus Langeweile jetzt einfach mal eine völlig undurchdachte und ununtermauerbare These auf: der Wunsch „cool“ zu sein ohne zu wissen was das eigentlich ist, ist ein Geniestreich des Neoliberalismus. Neoliberalismus = da bist du selber schuld. Neoliberalismus = die Zeiten sind hart. Neoliberalismus = das Boot ist voll. Eine (Gouverne-)Mentalität, welche die Kontrolle, Bewertung und Ausrichtung des Verhaltens des zum Individualismus verurteilten Subjekts nach Innen verlagert, welches ohnehin schon überfordert ist, bei gleichzeitiger Nicht-Definition des Grundprinzips („Coolness“). Dies führt unweigerlich zu einer doppelten Selbstkontrolle und Selbstdisziplinierung des Subjekts. Letzteres muss selber definieren, was „cool“ ist, die eigene Definition ständig neu überdenken und gleichzeitig das eigene Verhalten unaufhörlich dieser kontingenten, vermeintlich individuellen Bestimmung von „Coolness“ unterwerfen. Das Foucault’sche „ökonomische Tribunal“ war gestern, meine Generation muss vor das „coole Tribunal“. Ganze Industrien basieren auf diesem gelee-artigen Konzept: Medien aller Art stellen Informationen zur Verfügung, die man braucht um seine Definition von „Coolness“ täglich zu überprüfen. „Coolnes“ kann gekauft werden. Muss gekauft werden. Denn bei aller Unklarheit ist eines klar: wer nicht konsumiert ist schon mal ganz eindeutig „uncool“. Armut ist „uncool“. Der Abgefuckt-Chique ist in manchen Kreisen „cool“, kostet aber. Denn echt abgefuckt stinkt einfach nur. Oder war der eine Penner, wegen dem noch Stunden später die U-Bahn nach Pestbeulen und Eiter stinkt jemals „cool“? Nö, der ist einfach nur ekelig. Abgefuckt von Diesel ist aber mal richtig „cool“. AAAAAHHHHH!!!!!
Wie gesagt wird „cool sein“ im Moment der Reflexion ohnehin unmöglich. Warum schreibe ich diesen Text? Warum investiere ich Zeit? All das ist Selbstdarstellung – warum? Um selber „cool“ zu sein?! Und genau in dieser Sekunde hasse ich mich dafür, schäme mich und bin uncool. Werde ich weitermachen? Na Sicher.